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Zitate aus dem Koran
 
 
 

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23.10.2009 Kommentar

Kommentar, Mustafa Yeneroğlu

So schnell wird einer zum Nazi…

Mit dieser Überschrift begann der Chefredakteur des Magazins Focus letzte Woche sein „Tagebuch“ und führte in das Plädoyer „pro“ Sarrazin ein. Sarrazin stehe am Pranger, weil er das heiße Eisen missglückte Integration angefasst habe. Obwohl er sich für einige Formulierungen entschuldigt habe, hätte er sich noch Tage danach mit Hitler, Goebbels und Göring in eine Reihe stellen müssen.

So sei es eben, wer sich in Deutschland über Probleme mit Ausländern äußere, werde reflexartig als fremdenfeindlich und Nazi diffamiert. Diese Hetze löse kein Problem, sie verschlimmere es nur. Sarrazin habe die Zustände zutreffend beschrieben, so Marktwort. Welche Zustände Marktwort meint und warum Sarrazin Recht habe, war dann auf den Seiten 20 – 27 im Focus 42/2009 nachzulesen.

Unter der Überschrift „Aufruhr in Klein-Istanbul“ war ein Foto des Tiergartens am Dienstsitz des Bundespräsidenten abgebildet mit dem hervorgehobenen Vermerk „FEST IN TÜRKISCHER HAND“. Neben diesem Foto wurden die aus FOCUS-Sicht wohl wichtigsten Zitate von Sarrazin wiedergegeben.

..„Es ist ein Skandal, wenn türkische Jungen nicht auf weibliche Lehrer hören, weil ihre Kultur so ist.“ ..

..„Wir haben in Berlin 40 Prozent Unterschichtengeburten, und die füllen die Schulen“. .. 

.. „Eine große Zahl an Arabern und Türken in dieser Stadt (…) hat keine produktive Funktion außer für den Obst- und Gemüsehandel“ ..

Anschließend beginnt der Text auf der nächsten Seite mit dem Satz „Die Wahrheit ist ein seltsames Ding.“

Von welcher „Wahrheit“ ist hier eigentlich die Rede? Von der vermeintlichen „Wahrheit“, dass türkische Jugendliche nicht auf weibliche Lehrer hören, weil ihre Kultur so ist. Welche Kultur? Der Leser kennt natürlich die Antwort: Die Kultur des Islams! Es braucht nicht vieler Worte, um diese Suggestion in ein Bild zu packen: Türke = Macho = Islam = Frauen, die sich unterwerfen müssen.

Diese Türken werfen dann auch noch Kinder, also Menschen, obwohl Unterschichtmenschen, um dann „unsere“ (also Deutsche) Schulen zu überschwemmen! An der Produktivität in anderen Bereichen fehlt es ihnen dann auch noch. Also, nicht nützliche Menschen – wohl irgendwie Parasiten, zumindest „uns Deutschen“ unterlegen.

Kennen wir das nicht? So schnell wird man eben zum Nazi! Nein, das lässt man sich natürlich nicht bieten. Denn der Nazi hat Verbrechen begangen, die einmalig waren, oder? Richtig! Also sollte man diese Äußerungen nicht in eine Reihe mit der von Hitler, Goebbels und Göring stellen? Wohl ja, aber ist diese Antwort ausreichend? Waren die genannten Personen nicht zunächst einmal Rassisten, bevor sie zudem wurden, was man mit dem Begriff Nazi umschreibt? Hmm… jetzt kommt der Ausländer wieder mit dem Totschlagsargument. Das darf er nicht. Das ist nämlich nicht seriös. Auch diese Argumente sind bekannt.

Im Übrigen hat doch Sarrazin Recht, auch wenn er die Wahrheit missverständlich ausspricht, missverständlich rassistisch eben.

„Er hat sich vielleicht im Ton vergriffen, aber in der Sache nicht“, ist weiter zu lesen. Habe er mehr bewirkt als zahllose Sonntagsredner und Gesundbeter?

Nach der ersten Wutwelle würden nun Fragen laut: Ist Integration ausschließlich eine Bringschuld des Staates? Das Umsteuern sei überfällig. Die Langzeitfolgen misslungener Integration, die nur auf Toleranz und Freiwilligkeit gesetzt habe, seien nun in Berlin zu besichtigen. Gefährliche Parallelgesellschaften seien entstanden. Vor allem unter den 200.000 türkischstämmigen Berlinern herrschten „teilweise religiöser Fanatismus sowie archaische Grundsätze von Zwangsheirat und Ehrenmord, die mit westlichen Werten und Gesetzen unvereinbar sind“.

So geht der Text weiter:  … Multi-Kulti-Misere …. Die Bundeshauptstadt wird Klein-Istanbul genannt…. Mit knapp ein Viertel der türkischen Kinder ist Verständigung auf Deutsch kaum möglich … Die Gewaltbereitschaft bei türkischen Jugendlichen hat deutlich zugenommen …. Beispiel Deniz, der sich regelmäßig betrinkt und Drogen nimmt … schlug er einem Kontrahenten den Schädel ein … Sich wachsen sich auch nicht aus, sie wachsen nach …. Geburtenrate bei Türken doppelt so hoch …. Können schon heute Wahlen entscheiden … Die türkische Gemeinschaft sollte in der deutschen politischen Landschaft einen Einfluss ausüben, so der türkische Ministerpräsident Erdogan … Im Jahr 2100 wird es in Deutschland 35 Millionen Türken geben, so Vural Öger … Das, was Sultan Süleyman 1529 mit der Belagerung Wiens begonnen hat, werden wir über die Einwohner mit unseren kräftigen Männern und gesunden Frauen verwirklichen ….

Nun was soll dem Leser suggeriert werden:

Türken sind schwer integrierbar.
Ihre Kultur widerspricht der Unseren.
Sie sind fanatisch und archaisch.
Sie wollen sich nicht anpassen (lassen).
Sie gebären und werden immer mehr.
Sie wollen unser Land erobern und damit Deutschland türkisieren bzw. islamisieren.
WIR sind stark bedroht.

Das ist die zentrale Aussage des Artikels im FOCUS.

Damit ist wohl die Wahrheit ausgesprochen! Welche Wahrheit. Eine subjektive Wahrheit, die bei zu vielen immer schon da war und mit Sarranzin’s Äußerungen und der Unterfütterung durch FOCUS nur aufgewärmt wird: Wir“ und „die Anderen“.

Was waren nochmal Sarrazin’s Schlussfolgerungen:

Ich muss niemanden Achten der... und immer mehr Kopftuchmädchen in die Welt setzt.

Man muß davon ausgehen, daß menschliche Begabung zu einem Teil sozial bedingt ist, zu einem anderen Teil jedoch erblich.

Kennen wir das nicht schon alles! Erinnern uns diese Sätze nicht an frühere Zeiten? Das ist natürlich nicht rassistisch. Denn wenn es rassistisch wäre, würden sich ja solche, die Sarrazin’s Positionen eigentlich teilen, wohl auch Rassisten, oder? „Das darf natürlich nicht sein! Wir sind ja die Guten“ hören ich schon schreien.

Heute ist es der Wunsch nach kultureller Einheitlichkeit konservativer Denker, die bei jeder Gelegenheit über das Einwanderungsland Deutschland und seinen grundgesetzlichen Pluralismus herziehen und sich dabei extrem verzerrter Wirklichkeitsdarstellung und manipulierter Wiedergabe von sozialen und kulturellen Problemen bedienen um zu polemisieren. Dabei werden tatsächlich vorhandene aber extrem aufgebauschte Probleme kulturalisiert und dienen dem Argument des Bedroht-Seins. Es geht keinesfalls um eine sachliche Debatte um tatsächliche Probleme und mögliche Lösungsansätze. Dies ist nur eine vorgeschobene Konstruktion, die den Hintergrund der eigentlich geführten ideologischen Auseinandersetzung verdecken soll.

Dadurch wird der gesellschaftlich verpönte völkische Nationalismus im neuen Gewand wiedererweckt. Dies geht zwingend mit gruppenbezogener Feindschaft einher und fördert den kulturellen Rassismus. Die allgemeinen Probleme der Globalisierung, die zwanghafte Mobilität, die Suche nach sinnstiftender Identität und vor allem das zunehmende Gefälle von Arm und Reich sowie politische Entwicklungen wie auch der Terrorismus scheinen diese Entwicklung zu legitimieren.

Man wird bedroht durch Fremde, früher durch andere, heute durch Muslime.

Eigentlich „Altbewehrtes“. Man muss sich nur die ideologischen Grundlagen im deutschen Idealismus und Romantik zur Gemüte führen. Herder, Fichte und Schelling lassen grüßen.

 

 
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