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| Opfertierkampagne der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs |
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| Von: Ali Mete |
Die menschliche Natur und das Opfern
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In allen Religionen der Welt spielen Gottesdienste eine essenzielle Rolle; sie bilden einen unentbehrlichen Teil des Glaubens. Unter diesen gottesdienst-lichen Handlungen ist das Opfern – im Islam mit dem Begriff Kurbân, „sich nähern“, widergegeben – in nahezu allen Religionen anzutreffen.
Im Koran heißt es, dass der Mensch erschaffen wurde, um Allah zu dienen.[1] Diese der menschlichen Natur innewohnende Hinwendung ist Teil seiner Kreatürlichkeit.[2] Jedoch wird dieses Bedürfnis nach Religion im weitesten Sinne nicht nur im Koran zur Sprache gebracht; vor allem die Religionswissenschaft und die Anthropologie[3] haben aufgezeigt, dass es, angefangen von den primitivsten Völkern bis hin zu den modernen Gesellschaften unsrer Zeit, keine Menschen gibt, die nicht glauben bzw. in irgendeiner Form religiös denken und handeln. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, kann man sagen, dass der Glauben eine Existenzbedingung des Menschen ist.
In allen Religionen der Welt spielen Gottesdienste eine essenzielle Rolle; sie bilden einen unentbehrlichen Teil des Glaubens. Unter diesen gottesdienstlichen Handlungen ist das Opfern – im Islam mit dem Begriff Kurbân, „sich nähern“, widergegeben – in nahezu allen Religionen anzutreffen. Deshalb heißt es im Koran: „Allen Völkern gaben Wir Opferriten, damit sie Allahs Namen über dem Vieh aussprächen, mit dem Wir sie versorgten. Und euer Gott ist ein einziger Gott. Darum seid Ihm ergeben! Und verkünde denen frohe Botschaft, die sich (vor Allah) demütigen.“ [22:34]
Der Gedanke und die Praxis des Opferns ist jedoch nicht nur auf Religionen beschränkt, die einen göttlichen Ursprung haben. Schon im alten Mesopotamien ist vom Opfern die Rede. Dies und ähnliche Erkenntnisse lassen die Schlussfolgerung zu, dass die Praxis der Darbietung eines Opfers an ein höheres Wesen oder den Schöpfer, mit dem Ziel sich ihm zu nähern, einem religiösen Bedürfnis der menschlichen Natur entspringt.[4]
In den monotheistischen Religionen wird das erste Opfer Kain und Abel (Kâbîl und Hâbîl) zugeschrieben. Im Alten Testament wird berichtet, dass Gott das Opfer Abels, welches Abel aus den Erstgeborenen seiner Herde aussuchte, annahm, während er Kains Opfergabe, die aus „Früchten des Ackerbodens“ bestand, nicht beachtete. Aus Neid tötete später Kain seinen Bruder Abel.[5] Im Koran wird die Erzählung folgendermaßen wiedergegeben: „Und verkünde ihnen der Wahrheit gemäß die Geschichte der beiden Söhne Adams, als sie ein Opfer darbrachten. Angenommen wurde es von dem einen von ihnen, aber nicht von dem anderen. Er sprach: „Wahrlich, ich schlage dich tot!“ (Der andere) sprach: „Siehe, Allah nimmt nur von den Gottesfürchtigen an.“[5:27] Sowohl in der Bibel als auch im Koran wird das Opfer Abels angenommen, da er aus reinen Glauben und mit Gottesfürchtigkeit opfert. Am deutlichsten kommt dies in folgendem Vers zum Ausdruck: „Weder ihr Fleisch noch ihr Blut erreicht Allah, jedoch erreicht Ihn euere Frömmigkeit...“[22:37]
In den Religionen, die auf einer göttlichen Offenbarung basieren, ist das Opfern eine wichtige Form des Dienstes an Gott. Um die Vielgötterei (Schirk) zu unterbinden, ist es in diesen Religionen ausschließlich erlaubt, im Namen des einzigen Gottes zu opfern. Auch wenn es Veränderungen und Unterschiede in der Praxis gab und gibt, ist all diesen Religionen gemein, dass sie durch das Opfern dasselbe Ziel verfolgen: die Bezeugung der Einheit Gottes, also den Tawhîd, die Frömmigkeit, also Takwâ und die Ergebenheit, welches die Bedeutung des Wortes Islam ist.
Das Opfern lässt dem Menschen erneut bewusst werden, dass es nur Allah ist, der ihn versorgt und Herr über Leben und Tod ist. Alles, was gelebt hat, lebt und leben wird, wird zu ihm zurückkehren, wie es im Koran heißt: „Sprich: „Siehe, mein Gebet, mein Gottesdienst, mein Leben und mein Tod gehören Allah, dem Herrn der Welten.“[6:162]
Zu Opfern bedeutet im islamischen Sinne auch das Erbe des Propheten Abraham (Ibrâhîm) (as) anzutreten. Er war es, der, nachdem es ihm im Traum befohlen wurde, bereit war, seinen einzigen Sohn Ismael (Ismâîl) (as) als Zeichen der Ergebenheit zu opfern. Im Koran wird dies folgendermaßen erzählt. Abraham (as) sagte zu seinem Herrn: „O mein Herr! Gib mir einen rechtschaffenen (Sohn).“ Daraufhin kündigten Wir ihm einen gutmütigen Sohn an. Als dieser nun alt genug war, um mit ihm zu arbeiten, sprach er: „O mein Sohn! Siehe, ich sah im Traum, dass ich dich opfern müsste. Schau, was meinst du dazu?“ Er sprach: „O mein Vater! Tu, was dir befohlen wird. Du wirst mich, so Allah will, standhaft finden.“ Sobald beide sich (Allah) ergeben hatten und er ihn mit dem Gesicht nach unten auf den Boden gelegt hatte, riefen Wir ihm zu: „O Abraham! Du hast das Traumgesicht bereits erfüllt!“ Wahrlich, so belohnen Wir die Rechtschaffenen. Fürwahr, dies war eine offensichtliche Prüfung! So lösten Wir ihn durch ein großes Schlachtopfer aus und bewahrten sein Ansehen unter den nachfolgenden (Generationen). „Friede sei mit Abraham!“ So belohnen Wir die Rechtschaffenen.“ [37:100][37:101][37:102][37:103] [37:104][37:105][37:106][37:107][37:108][37:109][37:110]
[1]„Und die Dschinn und die Menschen habe Ich nur dazu erschaffen, dass sie Mir dienen.“ [51:56]
[2] Kreatürlichkeit im Sinne der „Fitra“, „menschliche Natur“, „natürliche Veranlagung“: „So richte dein ganzes Wesen aufrichtig auf den wahren Glauben, gemäß der natürlichen Veranlagung, mit der Allah die Menschen erschaffen hat. Es gibt keine Veränderung in der Schöpfung Allahs…“ [30:30]
[3] Anthropologie ist die „Lehr vom Menschen“ (aus dem Griechischen ánthropos „Mensch“ und lógos „Lehre“)
[4] S. G. F. Brandon, A Dictionary of Comparative Religion, London, 1970, S. 545
[5] Elberfelder Bibelübersetzung, Altes Testament, Genesis, 4,3-8
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| 28.10.2009 |
Opfertierkampagne: Ein „Treffen mit der Umma“
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Die diesjährige Opfertierkampagne der IGMG wird in 75 Ländern und Regionen durchgeführt werden. Der Leiter der Abteilung für Soziale Dienste, Ali Bozkurt, hat bei der Versammlung der ehrenamtlichen Helfer der Opfertierkampagne betont, dass die 241 IGMG-Helfer dieses Jahr auch in neue Regionen reisen werden.
Der IGMG-Vorsitzende Yavuz Çelik Karahan hat in seiner Rede herausgestellt, dass diese Kampagne einen tieferen Sinn habe als das Verteilen von Fleisch. Er bezeichnete das Projekt als ein „Treffen mit der Umma“. Die Bedeutung der jährlichen Opfertierkampagnen, so Karahan, habe er 1992 besser begriffen, als er als Helfer auf der philippinischen Insel Mindanao tätig war. „In den Zielländern werden die Menschen vielleicht lediglich einmalig durch diese Kampagne Fleisch auf den Tisch bekommen. Darüber hinaus werden nicht alle bedürftigen Menschen von der Kampagne erreicht werden. Der Hauptgedanke dieses Projektes besteht allerdings darin, dass wir von hier aus in diese fernen Länder reisen und uns mit unseren Brüdern und Schwestern treffen, um sowohl Gottes als auch ihr Wohlwollen zu erlangen.”, erklärte Karahan in seiner Rede.
Auch wenn die IGMG keine Hilfsorganisation sei, gehöre der Zusammenhalt mit hilfsbedürftigen und unterdrückten Menschen sowie der Zusammenhalt mit jenen zum Aufgabenbereich der IGMG. Die ehrenamtlichen Helfer der IGMG seien Vertreter der in Europa lebenden Muslime. „Somit ist diese Kampagne auch ein Symbol für die Unterstützung, den Zusammenhalt sowie der Geschwisterlichkeit unter den Muslimen auf der Welt.”, beendete Karahan seine Ausführungen.
Auf der Versammlung wurden auch die Länder der Kampagne bekannt gegeben. Unter den neuen Ländern und Regionen der diesjährigen Opfertierkampagne seien Kambodscha und die Patani Region Thailands in Asien, Ghana in Westafrika, Argentinien und Kolumbien in Südamerika sowie Marokko in Nordafrika.
Die IGMG-Abteilung für Soziale Dienste erklärte, dass auch dieses Jahr der Schwerpunkt der Hilfsarbeiten wie in der Vergangenheit in der Türkei liege. Weitere Schwerpunktländer seien aufgrund des Erdbebens und der darauffolgenden Wetterbedingungen Indonesien, bedingt durch die schweren inneren Konflikte, infolgedessen die Menschen innerhalb des Landes umziehen, Pakistan, sowie Indien, da es weltweit eines der Länder mit den meisten Muslimen ist. (bua)
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| Von: Vahit Bilmez |
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Alle Straßen, die zu der Moschee führen, waren überfüllt. Alle wollten in der Istiklal Moschee beten. Wir hatten uns vorzeitig auf den Weg gemacht, um uns einen guten Platz zu sichern. Schon aus der Ferne hörten wir die Tekbir Rufe. Das Wissen darüber in einem islamischen Land zu sein, erfüllte uns mit Freude.
Indonesiens Staaspräsident und zahlreiche Botschafter nahmen ebenfalls am Opferfestgebet in der Istiklal Moschee teil. Im Anschluss an das Gebet gratulierten sich die Menschen einander zum Fest und verließen ohne großen Tumult die Moschee. Das auffäligste an Indoniesien sind die immerzu lächelnden Gesichter der Indonesier.
Heute besuchten wir im Rahmen der IGMG-Opfertierkampagne zwei Regionen. Unser erster Halt war in Ost-Jakarta, in einem Viertel entlang eines Flusses außerhalb der Stadt, wo große Armut herrscht. Die Häuser sind aus Schilf und sind von dreckigem Wasser umgeben. Es betrübt uns zu sehen, dass Muslime unter diesen Bedingungen leben müssen. Wir ahnen, dass das hier erfahrene uns noch sehr lange verfolgen wird. Bei der Übergabe der Opfertierspenden der IGMG sehen wir Verlegenheit und Beschämung auf den Gesichtern der Menschen. Gefühle, die trotz der Armut nicht abgestumpft sind. Wir sind uns mit unseren Brüdern von der PKPU darin einig, dass diesen Menschen auf lange Sicht nur mit Bildung weitergeholfen werden kann.
Die nächste Station der Opfertierkampagne sind die Slums in Jakarta, die so genannten „Müllsiedlungen“. Inmitten der fünf bis acht Meter hohen Müllberge stehen die Häuser der Bewohner. Der beißende Geruch der Müllberge ist unerträglich. Hier leben die Menschen, die von der Müllsortierung ihren Lebensunterhalt verdienen. Sie erfüllen die Aufgabe der Mülltrennung, was sich in Indonesien zu einem Arbeitssektor etablierte. Dass dies vom Staat unterstützt wird überraschte uns.
In den Slums überkam uns angesichts dieser Zustände Trauer. Doch eins stimmte uns hoffnungsvoll. Wir lernten Schwester Reysa kennen, die jedes Jahr die Helfer der Opfertierkampagne empfängt. Auch wir wurden herzlich von ihr empfangen.
Reysa ist eine Akademikerin, die in den Slums aufgewachsen ist. Unter der Woche arbeitet sie in Jakarta, am Wochenende ist sie in den Slums und unterrichtet Kinder. Menschen wie Reysa sind ein Hoffnungsschimmer. Wir verteilten unsere Spenden und verließen Jakarta müde aber hoffnungsvoll.
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| Von: Vahit Bilmez |
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In einer der Tagungen zu der Opfertierkampagne meinte ein Bruder zu uns: „Die Aufgabe fängt an, sobald ihr die Türschwelle verlässt.“ Wir sollten feststellen, dass er Recht behielt.
1. Tag: 5. Dezember 2008
Als wir dem pakistanischen Taxifahrer, der uns vom Flughafen abgeholt hatte, erzählten, dass wir Helfer der Opfertierkampagne in Indonesien sind, war er sehr überrascht und fragte uns, wie viel Geld wir für diesen Einsatz bekämen würden. Wir sagten ihm, dass uns nur Gottes Wille zu dieser Arbeit berufen hatte und wir dies ehrenamtlich tun würden. Die gefühlvolle Reaktion des Taxifahrers stimmte uns mehr denn je freudig ein, in Aussicht auf die uns erwartende Arbeit.
Nach einer mühsamen Reise kamen wir Helfer aus Deutschland, Zafer Erten, Adem Soyyigit, Vahit Bilmez, mit Sefa Varsan aus Australien und Ufuk Secgin aus Großbritannien in Dubai zusammen. Das freudige Wiedersehen mit anderen Helfern machte all die mühsame Reise wert.
Nach einer viereinhalb stündigen Wartezeit machten wir uns sodann auf den Weg nach Jakarta. Dank einer muslimischen Fluggesellschaft wurde an Einzelheiten gedacht, die wichtig für ein Muslim sind. Beispielsweise konnten wir durch die eingebauten Monitore in den Gebetsräumen im Flugzeug stets vor uns sehen, in welcher Richtung die Kaaba liegt, um uns beim Gebet danach zu richten. Bei der Ankunft erwartete uns die typisch tropische feucht-warme Luft, die uns zum Kleidungswechsel zwang.
Die herzliche Begrüßung der Helfer unserer Partnerorganisation PKPU erleichterte uns sodann das Atmen der feuchten Luft. Wir werden im Laufenden über die Tätigkeiten der erfolgreichen Organisation PKPU berichten.
Unsere erste Tätigkeit bestand darin, dass wir direkt nach der Ankunft im Flughafen über die Entsendung der Helfer in die verschiedenen Gebiete berieten. Das IGMG-Team für Indonesien wurde in zwei geteilt. Ufuk und Adem machten sich direkt im Anschluss der Sitzung mit dem Flugzeug auf die Papua-Inseln auf. Wir, die restlichen drei Helfer, nahmen uns die Stadt Jakarta und das Erdbebengebiet Aceh vor. Bis wir das alles geregelt hatten, wurde es schon wieder Tag. Keiner wusste mehr so recht, seit wievielen Stunden wir auf den Beinen waren, als wir uns in die Betten legten.
2. Tag: 6. Dezember 2008
Für unseren einzigen freien Tag vor dem Fest hatten die Brüder aus der PKPU ein sehr ausgefülltes Ausflugsprogramm für uns vorbereitet. Unser erstes Ziel war das Freiheitsdenkmal und das Museum für die Unabhängigkeitsgeschichte, die den Unabhängigkeitskrieg von 1945 symbolisierte, der gegen die Niederländer geführt wurde. Dieses Museum steht jedoch auch für die Zeitgeschichte Indonesiens, das von Hunderten von Schülern täglich besucht wird. Wie konnten wir dem Besuch der größten Moschee vom Fernen Osten, der Unabhängigkeitsmoschee von Jakarta wiederstehen? Die Moschee, die an jeder Ecke ein Symbol aufbewahrt, ist der Stolz jedes Indonesiers. Beispielsweise symbolisieren die fünf Stöcke zwischen drei Mauern die fünf Säulen des Islams, oder die Höhe der Minarette von 114 Metern die 114 Suren des Korans, und vieles mehr...
Der Besuch der riesigen Moschee bescherte uns zudem eine Einladung für das Festgebet am nächsten Tag. Der Leiter der Moschee, Murteza, überreichte diese Einladung, in der stand, dass wir einen Protokollplatz für das Festgebet bekommen würden, zu dem wir den Eingang “Es-Selam” benutzen dürften. Was dies konkret bedeuten würde, würden wir am nächsten Tag auf dem Weg zur Moschee erfahren...
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